|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
![]() 1584 brachte Wilhelm von Rosenberg als Herrscher des Hauses der Rosenberger, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, höchster Burggraf in Prag und strenger Katholik aus Tøeboò, die Jesuiten zu seinem Sitz in Èeský Krumlov und beschloss, ihnen hier eine Residenz zu errichten. Der Grundstein für das Kolleg wurde am 19. März 1586 gelegt. Der Bau erfolgte nach einem Projekt von Jesuitenpater Alexander, die Ausführung durch den Hofbaumeister der Rosenbergs Baltassare Maggi da Arogno. Der Bau dauerte zwei Jahre lang, und am 16. Mai 1588 überreichte Wilhelm von Rosenberg den Vertretern des Ordens feierlich die Schlüssel und die Gründungsurkunde. Die Jesuitenresidenz auf einem Felsen über der Moldau war zweigeschossig. Das Eingangstor trägt das Wappen der Rosenberger. Im Gebäude befanden sich Schlafzimmer für die Priester, Schulungs- und Vorlesungsräume, an seinem Ende eine Kapelle. Bei einem Brand in der Prälatur im Jahr 1768 wurde der Turm vernichtet und nicht wieder aufgebaut. Daran befand sich ab 1756 eine Uhr, deren ursprünglicher Mechanismus heute in den Hotelräumen zu sehen ist. Zur Prälatur gehörte auch der Jesuitengarten – heute Stadtpark. Vom Kolleg aus führte eine Holzbrücke in den Park, die 1830 versteigert wurde. Das Jesuitenkolleg beherbergte ab 1640 eine Apotheke, zunächst im hinteren Gebäudetrakt. Da die Jesuiten auch an Einwohner der Stadt Medikamente verkauften, verlagerten sie die Apotheke 1665 nach unten ins Erdgeschoss. Die Apotheke war recht einträglich. Als der Orden der Gesellschaft Jesu und mit ihm auch das Kolleg in Krumlov aufgelöst wurden, kaufte Fürst Schwarzenberg die Apotheke. Ihre barocke Gestalt ist im Stadtmuseum gegenüber dem Hotel zu sehen. Neben dem Kolleg gab es ab 1586 auch eine Lateinschule, die für den Orden Priesternachwuchs heranbilden sollte. Hier studierten arme Knaben aus den umliegenden Dörfern. Die Jesuiten pflegten begeistert das Theater. Gespielt wurde im Kolleg, in der Kirche, auf dem Platz und in den Straßen. Die Texte zu den Theateraufführungen, die psychologisch auf die Gläubigen einwirken sollten, schöpften die Autoren und Lehrmeister meist aus der griechischen Mythologie. Die Theaterstücke waren sehr aufwendig inszeniert. Man spielte auf beweglichen, von Pferden gezogen oder starken Männern getragenen Bühnen. Für die jesuitischen Theaterstücke begeisterte sich auch der angeblich geisteskranke Schürzenjäger Don Julius d'Austria, der hier lebte und durch den Mord an Markéta, der Tochter des Baders Pichler, tragische Berühmtheit erlangte. 1595 kam ein lutheranischer Prediger nach Èeský Krumlov. Seitdem gab es zwischen den Jesuiten und hiesigen Protestanten Probleme. Die Jesuiten wurden schließlich aus Èeský Krumlov vertrieben. Zuflucht fanden sie beim Passauer Bischof. Das Kolleg wurde geplündert, ein Teil der Einrichtung verbrannt und der andere in die Moldau geworfen. Nach Rückkehr der Jesuiten, unter dem Schutz des Generalissimo des kaiserlichen Heeres Karl Bonaventura Boquoy, musste sich die Stadt bei den Jesuiten entschuldigen, die Schlüssel des Kollegs herausgeben und den gesamten Schaden ersetzen. 1773 wurde der Jesuitenorden gemäß einer päpstlichen Bulle durch Kaiser Joseph II. aufgelöst. Damals verfügte der Orden in Böhmen über 32 Sitze. Alle Jesuiten wurden entlassen und zu weltlichen Priestern. Es blieben lediglich sechs alte ehemalige Jesuiten im Ruhestand übrig. Das Jesuitenkolleg von Èeský Krumlov wurde durch seinen Gönner und Gründer Wilhelm von Rosenberg materiell großzügig unterstützt. Da Wilhelm von Rosenberg seinem Versprechen der Errichtung einer Kirche nicht nachgekommen war, schenkte er dem Kolleg den Pfarrbezirk Krumlov mit seinen Einnahmen. Nachdem die Jesuiten Èeský Krumlov verlassen hatten, wurde das Gebäude ab 1777 als Militärkaserne genutzt. Die Soldaten blieben bis 1887, als das Heer definitiv aus Èeský Krumlov abgezogen wurde. Eine bestimmte Zeit lang blieb das Gebäude unbewohnt und wurde 1888 in einer Auktion anonym für 24 000 Gulden an den Budweiser Advokat und Ritter Dr. Jungmann verkauft. Das Gebäude sollte zum Eigentum einer Darlehenskasse werden. Das Gebäude Rùže gehört zu den größten und schönsten in der Stadt. Es entwickelte sich zum Kulturzentrum für die hiesigen Einwohner. Nach großen Kämpfen mit der deutschen Mehrheit erwarben seine Eigentümer eine Gastwirtslizenz. Am 3. September 1889 wurde das Hotel „U Rùže“ (Zur Rose) feierlich eröffnet. In seinen Räumen entstand auch ein kleines tschechisches Theater, in dem eine Aufführung nach der anderen stattfand. Gute Schauspieler und Schauspielerinnen gab es stets mehr als genug. Darüber hinaus befanden sich hier eine Lehrlingsschule und Ställe für Pferde, die eine Kutsche für die Beförderung von Touristen und anderen Gäste zum Bahnhof zogen. Nach 1918 erlebte der Tourismus einen Aufschwung und Èeský Krumlov mit seinem mittelalterlichen Scharm und Naturschönheiten wurde immer berühmter und gefragter. Die Okkupation des Grenzlandes vertrieb 1938 fast alle Tschechen aus ihrer Stadt. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Haus Rùže deutschen Offizieren. Nach dem Krieg beherbergte das Hotel ein beliebtes Restaurant und Café, im Saal fanden Bälle und Theateraufführungen statt. Das Objekt verkam jedoch zusehends und wurde 1950 geschlossen. Die Rekonstruktion des Hotels wollte keiner in die Hand nehmen. Der Stadt fehlten Übernachtungsmöglichkeiten, weshalb sie 1970 mit dem Umbau des Hauses Rùže begann, der fast 20 Jahre dauerte und dessen Ergebnis nicht sonderlich rühmlich war. Nach 1989 gingen die meisten Häuser im Rahmen der Restitution an ihre ursprünglichen Eigentümer zurück oder wurden städtisches Eigentum. Die Stadt gründete einen Entwicklungsfonds (Èeskokrumlovský rozvojový fond) und übertrug die Mehrheit der bedeutendsten historischen Gebäude in sein Vermögen. Das Hotel Rùže war eines dieser Objekte und musste lange auf einen Eigentümer warten. Schließlich erwarb es Jan Horal, ein langjährig im Ausland lebender Tscheche. Binnen kurzer Zeit – innerhalb von 6 Monaten – erfuhr das Hotel Rùže eine sehr aufwendige Rekonstruktion seiner Innenräume, wurde zu einem 5-Sterne-Hotel im Renaissancestil umgebaut und am 28. Juni 1999 feierlich eröffnet. Das Hotel Rùže mit seiner reichen Geschichte bietet Ihnen eine Zeitreise zurück bis zur Renaissance. Die Ausstattung des Hotels, die Musik, die kulinarischen Spezialitäten und die Kleidung des Personals schaffen eine Atmosphäre wie im 16. Jahrhundert. Unser Gast soll sich in jene Zeiten zurückversetzt finden. Das Hotel hat auch seinen eigenen guten Geist. Einer Legende zufolge sprang ein unglücklich verliebtes Mädchen von der Terrasse in den darunter liegenden Fluss. Man sagt, das Mädchen besuche das Hotel, um Jungfern vor Unglück in der Liebe zu warnen und sie zu beschützen. Die derzeitige Leitung weiß jedoch nichts über derartige Warnungen zu berichten. Das Hotel hat auch seine eigenen Fledermäuse, die normalerweise alte Gemäuer bewohnen. Am aktivsten sind sie im September. Daher installieren wir in den Zimmern über dem Fluss spezielle Netze, um sie am Hineinfliegen zu hindern. Seien Sie sicher, dass diese Fledermäuse zu den friedliebenden Einwohnern von Krumlov zählen und jede Verwandtschaft mit Graf Dracula ausgeschlossen ist. Züruck |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||